Premiere: Frankreich wird erstmals Volleyball-Europameister

Posted by in Volleyball Schlagwörter: , , on 8. Dezember 2015 0 comments

Die französische Volleyball-Nationalmannschaft der Herren hat es endlich geschafft. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte holten Les Bleus beim Turnier in Italien und Bulgarien den Titel. Überraschend kommt das nicht – bereits viermal war man erst im Finale gescheitert. Finalgegner Slowenien war hingegen die große Überraschung und sicherte sich erstmals eine EM-Medaille. Die deutsche Mannschaft war bereits im Viertelfinale gegen Co-Gastgeber Bulgarien ausgeschieden.

Frankreichs Volleyballer

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Mit 3:0 (25:19, 29:27, 29:27) setzten sich die Franzosen in drei Sätzen durch. Das sieht eindeutiger aus, als es war. Gerade in den letzten beiden Sätzen ging es ganz schön eng zu, beide konnten erst nach mehrmaliger Verlängerung entschieden werden. Am Ende konnte sich Frankreich erstmals die Krone aufsetzen. „Verdient und überfällig“ war der Sieg, wie Sport1.de befand. Die Franzosen sind nämlich schon mehrfach im letzten Moment gescheitert: 1948 gegen die Tschechoslowakei, 1987 gegen die Sowjetunion, 2003 gegen Italien und 2009 gegen Polen zogen „Les Bleus“ jeweils den Kürzeren. Nun endlich durfte die Mannschaft von Trainer Laurent Tillie selbst jubeln, anstatt immer nur den anderen dabei zuzusehen.

Slowenien überrascht alle – Italien, Deutschland und Polen enttäuschen

Überraschen konnte dagegen Frankreichs Finalgegner Slowenien. Für ganz oben reichte es am Ende zwar nicht, dennoch konnte man sich das erste Mal überhaupt über eine EM-Medaille freuen. Der Finaleinzug der Slowenen war von vielen so nicht vorhergesehen worden. Die Nummer 39 der Welt setzte sich im Viertelfinale gegen niemand anderen als die hochgehandelten Polen durch, die sich nicht lange zuvor erst zum Weltmeister hatten krönen können.

World League - Team Polen

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Nicht gerade positiv überraschte dagegen Mitgastgeber Italien. Im Vorfeld als Mitfavoriten gehandelt, setzte es in der Vorrunde eine unerwartete 2:3-Schlappe gegen Frankreich. Deswegen schaffte man es erst über den Umweg der Play-offs einschlagen, um ins Viertelfinale zu gelangen. Am Ende duellierten sich die Italiener im Spiel um Platz drei mit ihrem Mitgastgeber Bulgarien. Italien sicherte sich letzten Endes die Medaille, während für die Bulgaren das Turnier, bei dem man sicher auf den Sieg vor eigenem Publikum in der Finalstadt Sofia gehofft hatte, enttäuscht als vierter beendeten. Gerade die Niederlage Italiens gegen Slowenien im Halbfinale konnte so nicht erwartet werden. Nachdem man 2011 und 2013 jeweils das Finale verloren hatte, sollte diesmal mehr herausspringen – doch daraus wurde nichts. Immerhin sind die Italiener mit ihrer jetzt schon dreizehnten EM-Medaille eine der erfolgreichsten Teilnehmer der Geschichte.

Gerade das packende Finale ließ auch die Sport-Wetter nicht kalt. Auswertungen ergaben, dass besonders in diesem Spiel die Livewetten äußerst beliebt waren. Wettanbieter wie Mybet bieten mittlerweile immer öfter auch Volleyball-Wetten an. Eine Wette auf Slowenien hätte sich im Vorfeld dieser EM sicherlich auch ausgezahlt. Denn dass das Alpenland die Silbermedaille holt, haben wirklich nur die wenigsten erwartet.

Nach WM-Bronze das Aus im Viertelfinale für Deutschland

Der Deutschen Mannschaft hätte man da schon mehr zugetraut, auch wenn tatsächlich noch nie ein deutsches Volleyball-Männerteam eine EM-Medaille holen konnte. Das Team von Bundestrainer Vital Heynen musste sich allerdings schon im Viertelfinale verabschieden. Gegen Bulgarien war Endstation. So beendete man das Turnier letzten Endes als Achter. Die besten Platzierungen waren bisher vier vierte Plätze. 1991 und 1993, sowie 1967 und 1971 – die letzten beiden durch die Auswahl der DDR. Seit der Wiedervereinigung schnitt man aber auch schon fünfmal schlechter ab als in Bulgarien und Italien. 1997 und 2001 wurde man Neunter, 1999 und 2005 war man gar nicht erst qualifiziert und 2011 gab es einen enttäuschenden fünfzehnten Platz zu vermelden.

deutsche Volleyballfans

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Gerade nach dem starken Auftreten bei der Weltmeisterschaft in Polen im vergangenen Jahr hätte man den Deutschen durchaus mehr zugetraut. Hier war das Team um Jochen Schöps und Georg Grozer mit einem dritten Platz ein echter Überraschungscoup gelungen. Daran hatte Trainer Vital Heynen bei der Europameisterschaft wohl gerne angeknüpft. Doch gegen die Bulgaren stand, auch wegen des eigenen fehlerbehafteten Spiels, am Ende das Aus. Zur Nervosität der Deutschen beigetragen haben dürfte wohl auch die ohrenbetäubende Stimmung in der Arena Armeec. Die Angriffe der Gäste wurden mit gellenden Pfeifkonzerten begleitet. Mittelblocker Georg Grozer hatte seine Teamkollegen noch vor der „Hölle“ gewarnt, die die bulgarischen Fans bereiten würden.

So stand am Ende eine 0:3-Niederlage gegen die Bulgaren, denen man sich schon in der Vorrunde – ebenfalls mit 0:3 – hatte beugen müssen. „Wenn man zweimal 0:3 gegen Bulgarien verliert, dann muss man bei sich selbst suchen“, kritisierte der Bundestrainer anschließend. „Wir haben das Niveau, das wir eigentlich haben, nicht erreicht.“

Deutsche Platzierungen

Die Ergebnisse seit der Wiedervereinigung:
1991: Vierter
1993: Vierter
1995: Achter
1997: Neunter
1999: nicht dabei
2001: Neunter
2003: Siebter
2005: nicht dabei
2007: Fünfter
2009: Sechster
2011: Fünzehnter
2013: Sechster
2015: Achter

 

Auch der Weltmeister muss frühzeitig die Koffer packen

Eine große Enttäuschung bei der gerade zu Ende gegangenen Europameisterschaft waren auch die Polen. Der Weltmeister, mit dem Anspruch ins Turnier gestartet, gleich den EM-Titel nachzulegen, konnte den Erwartungen in keinster Weise gerecht werden und schied gegen Überraschungsteam Slowenien schon im Viertelfinale aus, genau wie das deutsche Team. Die Slowenen setzten sich mit 3:2 (17:25, 19:25, 25:23, 25:19, 14:16) durch, nachdem Polen nach schwachem Beginn zwischendrin ein 0:2 aufgeholt hatte.

Für die Slowenen stand dann nur noch Italien im Weg. Mit einem 3:2 (18:25, 22:25, 26:24, 25:21, 15:12) bezwang man den amtierenden Vize-Europameister sensationell mit 3:1 und zog ins Finale ein. Die Enttäuschung, dass man dort dann von den Franzosen gestoppt wurde, dürfte sich bei den Osteuropäern wohl in Grenzen halten. Immerhin kam schon der Finaleinzug als solcher einer absoluten Sensation gleich. Die Slowenen dürften nach der ersten Enttäuschung ob der Finalniederlage doch mit einem Lächeln auf den Lippen und mit Stolz auf die Silbermedaille im Gepäck nach Hause gefahren sein. Mit dem Durchmarsch der Slowenen gerechnet haben dürften die wenigen, vor allem nachdem das Team beim Vorbereitungsturnier in Ludwigsburg eine deutliche Schlappe gegen die deutsche Nationalmannschaft hatte einstecken müssen – und das Ende September, keinen Monat vor der EM-Endrunde.

Das nächste große Ziel: Olympia 2016 in Rio de Janeiro

Das nächste große Ziel für die Volleyball-Nationalmannschaften ist die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio. Die deutsche Nationalmannschaft kann sich die Qualifikation Anfang Januar bei einem Qualifikationsturnier in Berlin sichern. Hierzu werden sieben andere europäische Top-Mannschaften zu Gast sein. Es geht um gerade einmal einen Startplatz, der an den erstplatzierten des Turniers geht. Der Zweit- und Drittplatzierte darf sein Glück bei einem weiteren Qualifikationsturnier in Japan versuchen. Dass die Olympia-Teilnahme für die Deutschen alles andere als ein Selbstläufer wird, zeigt allein ein Blick auf die Vorrunde beim Qualifikationsturnier, das vom 5.-10. Januar in der Max-Schmeling Halle in Berlin stattfinden wird.

Olympia 2016

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Hier trifft Vital Heynens Team nämlich auf keinen geringeren als Weltmeister Polen. Dazu kommen noch die ebenfalls starken Serben und Heynens Landsmänner aus Belgien. Nur die beiden Erstplatzierten der Gruppe ziehen ins Halbfinale ein. Schwer ins Gewicht fällt für das deutsche Team dabei mit Sicherheit auch der Ausfall von Kapitän Jochen Schöps, der verletzt ist. Trainer Vital Heynen holte deshalb Außenangreifer Robert Kromm zurück ins Team, der seit 2012 nicht mehr dabei war. Außerdem werden die Routiniers Christian Dünnes und Patrick Steuerwald reaktiviert. Die Lücke, die durch Schöps Ausfall auf der Diagonalposition entstanden ist, soll neben Dünnes auch Debütant Daniel Malescha schließen – der derzeitige Topscorer der Bundesliga. Um das Highlight in Rio nicht zu verpassen, wird sich die deutsche Mannschaft im Vergleich zur EM-Form gewaltig steigern müssen.

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