Tyson Fury entthront den vierfachen Weltmeister Wladimir Klitschko in Düsseldorf

Posted by in Boxen Schlagwörter: , on 28. November 2015 0 comments
Klitschko vs Fury

Bild: Klitschko vs Fury

Es ist der Abend des 28. Novembers – ein Abend, an dem der 27-jährige Brite Tyson Fury Boxgeschichte schreiben sollte. In einem denkwürdigen Kampf besiegt er den amtierenden Weltmeister Wladimir Klitschko in der Esprit Arena in Düsseldorf mit einem klaren Punktsieg und nimmt dem Ukrainer gleich alle vier Titel auf einmal weg. Es ist die erste Niederlage von Klitschko seit er vor über 10 Jahren gegen Lamon Brewster ebenfalls verloren hatte.

Taktikspielchen im Vorfeld sind kalkulierte Maßnahmen Furys

Doch noch bevor der eigentliche Kampf losgehen konnte, ist die Aufregung groß. Herausforderer Tyson Fury ist weder mit den zur Verfügung gestellten Boxhandschuhen, noch mit dem seiner Meinung nach zu weichen Boden im Ring zufrieden. Zumindest letzteres sollte sich jedoch spätestens nach dem Kampf als kalkulierte Maßnahme Furys herausstellen. Die Anteilnahme der zelebrierten Handschuhwahl am Erfolg des Briten darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, zumal dieser sich letztlich für identische Handschuhe entschieden hat, die aber eigentlich für Klitschko gedacht waren. Das alles wird aber nichtsdestotrotz dazu beigetragen haben, den 39-jährigen Weltmeister zu nerven und zu verunsichern. Mit in dieses verwegene Bild im Vorfeld des Kampfes passt auch die Tatsache, dass Furys Vater zu spät in die Kabine von Klitschko kommt, um bei diesem das Wickeln der Hände zu überwachen, wie dies im Boxsport Usus ist. Das Resultat: Mit dem Wickeln wurde früher begonnen, nach Ankunft von Furys Vater besteht dieser jedoch darauf, dass alles von vorne gemacht wird. Dadurch verzögert sich der Beginn des Kampfes erheblich. Er kann schließlich gegen 23:20 Uhr starten.

Erste Hälfte des Kampfes bringt Fury Vorteile gegen ideenlosen Klitschko

Bereits in der ersten Runde wird klar, warum Furys Team darauf bestanden hatte, den Ringboden durch die Herausnahme einer Schaumstofflage härter zu gestalten, denn der Brite bewegt sich im Ring flink und explosiv. Dabei unterlässt er es auch nicht, Klitschko durch Gesten wie herunterhängende und hinter dem Rücken verschränkte Arme zu provozieren. In der dritten Runde präsentiert Fury zum ersten Mal seine Fähigkeit, auch in Rechtsauslage Boxen zu können, was für Klitschko als regulären Linksausleger alles andere als angenehm ist. Innerhalb der ersten vier Runden landet Fury schon einige gute Treffer, während Klitschko ideenlos und ohne Kampfplan wirkt. Schon in der fünften Runde bekommt Klitschko einen Cut unter dem linken Auge, der ihn im Laufe des weiteren Kampfverlaufs noch beeinträchtigen sollte. Auf Schlagwirkung ist dieser allerdings nicht zurückzuführen, sondern auf ein Versehen während des Infights. Ebenfalls unangenehm für Klitschko: Im engen Schlagabtausch schlägt Tyson Fury immer wieder unzulässigerweise auf den Hinterkopf Klitschkos, woraufhin dieser vom Ringrichter auch mehrmalig verwarnt wird.

Drittes Viertel des Kampfes demonstriert klare Überlegenheit Furys

Während in der soeben beschriebenen ersten Hälfte des Kampfes schon einigermaßen deutlich geworden war, dass Fury tendenziell überlegen ist, so kristallisiert sich dieses Bild im Verlauf des dritten Viertels umso deutlicher heraus. Die siebte Runde geht bereits klar an Fury, wobei es dieser auch nicht unterlässt, die klaffende Wunde unter Klitschkos linkem Auge weiter zu malträtieren. Er landet aber auch im Übrigen gute Treffer und macht sich selbst durch schnelles Verhalten, Auslagenwechsel und Provokationen zum überlegenen Kämpfer im Ring. Bereits in der achten Runde hilft Klitschko aus technischer Sicht fast nur noch ein K.O., denn er liegt auf den Stimmzetteln der Punktrichter weit zurück. In der neunten Runde kann Klitschko kurz sein boxerisches Talent aufblitzen lassen und bringt eine gute Schlag-Kombination. Gleichzeitig liefert Fury in dieser Runde mit einer sauberen Linken nach einem unaufmerksamen Wegdrehen Klitschkos aber den klarsten Treffer des Kampfes.

Die letzten Runden, das Urteil und die Stimmen nach dem Kampf

Während die zehnte Runde relativ ausgeglichen verläuft, bekommt Klitschko in der elften Runde auch noch einen Cut unter dem rechten Auge verpasst und sieht inzwischen einigermaßen demoliert aus. Fury bekommt in dieser Runde wegen erneuten Schlagens auf den Hinterkopf einen Punkt abgezogen. Die zwölfte Runde beschert dem Kampf schließlich ein hektisches Ende mit den besten Aktionen Klitschkos, die er an diesem Abend zu bieten hat. Trotzdem ist Fury von einem K.O. weit entfernt und gewinnt letztlich einstimmig überlegen nach Punkten. Unmittelbar nach Kampfende dankt Fury vor allem Jesus Christus für seine Unterstützung. Den, wie er sagt, wahr gewordenen Traum beschließt er spontan mit einem Lied für seine Frau zu zelebrieren. Klitschko bleibt im nachfolgenden Interview nur noch anzuerkennen, dass Tyson an diesem Abend einfach der bessere der beiden Kämpfer war und er kein richtiges Rezept gegen den unkonventionellen Still des Briten gefunden hat.

Klitschko Niederlage

Bild: Klitschko Niederlage